Dieses Wochenende war ich auf dem Landesparteitag der hessischen Piratenpartei. Um es kurz zusammenzufassen: da ist noch ordentlich Optimierungspotential:
Meine Kritik am Landesparteitag:
Location:
Es mag zwar ganz nett sein, die Landesparteitage reihum zu veranstalten, aber eine etwas zentralere Location als mitten in Hessisch Sibirien wäre vielleicht ganz sinnvoll. Mit tun die Leute leid, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gekommen sind.
Verpflegung:
Es soll ja auch Leute geben, für die ist ein Essen nicht nur deshalb schon gut, weil es ausnahmsweise mal warm ist. Und damit meine ich nicht jetzt nicht die Qualität, die konnte sich mit durchschnittlicher Jugendherbergsqualität messen, sondern die Auswahl. Nicht jeder kann/darf/will Schweinswürstchen aus der Dose essen.
Wie ich richtigerweise in den Kommentaren ergänzt werde, gab es beim Mittagessen was Vegetarisches zur Auswahl. Abends gab es dann die erwähnten Dosenwürstchen.
Technik:
Der Ausruf „Ist hier ein Netzwerktechniker anwesend?“, nachdem das WLAN vorher nur zu 50% funktioniert hatte, löste bei mir etwas Befremden aus. Oder war das ein geschickter Schachzug, um den Eindruck zu entkräften, die Piratenpartei sei technikaffin?
Mehr Inhalte, weniger Formalismus:
Es mag ja für Informatiker eine Freude sein, rekursive Anträge zu stellen, die das Ergebnis eines vorheriges Antrages wieder umkehren sollen, nur um danach einen Antrag zu stellen, der das Ergebnis dieses Antrags wieder umstellen soll… Ihr versteht worauf ich hinaus will.
Die Inhalte kamen dabei deutlich zu kurz.
Verknüpfte Anträge:
Es kam oft vor, dass Anträge deshalb nicht angenommen wurden, weil sie viele Dinge miteinander verknüpften. So wurde zum Beispiel der Antrag auf zahlenmäßige Erweiterung des Vorstandes damit verknüpft, dass die neuen Vorstandsmitglieder IT-Entscheider seien. Ein anderer Antrag verknüpfte die Stärkung basisdemokratischer Strukturen mit der Forderung nach einem Budget in unbestimmter Höhe für den Arbeitskreis Basisdemokratie.
Die – vorhersehbare – Ablehnung der Anträge führte dann zu Vorwürfen, jeden einzelnen Bestandteil der Anträge ablehnen zu wollen: „Ihr seid gegen Basisdemokratie!“ oder „Ihr wollte den Vorstand nicht personell verstärken!“.
Positives:
Damit es nicht heisst, ich würde nur rummotzen, hier auch noch Dinge die mir positiv aufgefallen sind:
- Keine Mehrheit für reine „Online Partei“: Alle Anträge, die den Teil der Partei/der Bevölkerung ausschließen würde, die noch nicht online sind, wurden immer mit großer Mehrheit abgelehnt.
- Twitterfeed, IRC: Es war informativ und amüsant, sich parallel zur RL-Veranstaltung über bestimmte Informationen auszutauschen oder auch einfach mal über Dinge abzulästern. Es war im Prinzip die Online-Variante davon, sich mal schnell zum Nachbarn rüberzubeugen und ihm was zuzuflüstern.
- Die Orga vor Ort war hilfsbereit und freundlich.
- Trotz aller länglichen, manchmal auch nerviger Diskussionen: Es ist mir immer noch lieber, es wird leidenschaftlich diskutiert, als wenn Stimmvieh im Minutentakt alles durchwinkt. Jetzt muss man nur noch das richtige Maß von Vorabstimmung finden, ohne dass die Gefahr von Klüngelei entsteht.
Meine Vorschläge für zukünftige Landesparteitage:
- zentraler, mit allen Verkehrsmitteln gut zu erreichender Veranstaltungsort
- zuverlässigere Technik
- Anträge sind rechtzeitig allen zugängig zu machen, einzelne Punkte sind zu trennen und nicht in Monsterpaketen im „Friss-oder-Stirb“-Modus zusammen zu schnüren
- bei der Verpflegung auch immer an Veggies etc denken
Das schreiben andere:
- Zwischenzeitlich ist auch die Pressemeldung der Piraten Partei vom #help09 online.
- „Der Freitag“ hat seine wohlwollenden Impressionen online gestellt.







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